Zubereitung
Kaffeesatzlesen
Kaffeesatzlesen ist ein volkstümlicher Brauch, bei dem aus den Mustern des zurückgebliebenen Kaffeesatzes in einer umgedrehten Tasse Aussagen über Zukunft, Charakter oder Lebenslage abgeleitet werden sollen — eine Praxis ohne wissenschaftliche Grundlage.
Auch bekannt als: Tasseografie, Tasseomantie, Kaffeesatzdeuten, Kaffeewahrsagerei, Mokka-Orakel
Was ist Kaffeesatzlesen?
Kaffeesatzlesen bezeichnet den Versuch, aus den Rückständen von ungefiltertem Kaffee in einer geleerten Tasse Bilder und Symbole zu erkennen und daraus Aussagen über die Zukunft oder den Charakter einer Person abzuleiten. Der fachlich üblichere Begriff dafür ist Tasseografie, zusammengesetzt aus dem französischen "tasse" für Tasse und dem griechischen "graphein" für schreiben. Tasseografie ist der weitere Oberbegriff, der neben Kaffeesatz auch das Deuten von Teeblättern oder Weinresten umfasst.
Herkunft und Verbreitung
Die Wurzeln liegen im Osmanischen Reich, wo ungefilterter, fein gemahlener Kaffee ohnehin Teil des Alltags war und zwangsläufig Satz in der Tasse hinterließ. Von dort verbreitete sich der Brauch nach Griechenland, auf den Balkan und in weite Teile des Nahen Ostens, später über Handelswege auch nach Mittel- und Westeuropa. Ende des 17. Jahrhunderts wurde Kaffeesatzlesen zeitweise sogar zur Modeerscheinung in Paris.
Ablauf des Kaffeesatzlesens
- Kaffee wird getrunken, bis nur noch ein kleiner Rest Flüssigkeit mit Satz in der Tasse bleibt
- Die Tasse wird auf die Untertasse gestürzt und einige Minuten stehen gelassen
- Nach dem Umdrehen betrachtet die deutende Person die Spuren des Satzes
- Erkannte Formen werden nach überlieferten Deutungsschemata interpretiert
Einordnung: Volksbrauch statt Wissenschaft
Kaffeesatzlesen gehört in dieselbe Kategorie wie Kartenlegen oder Horoskope: Es handelt sich um eine Form der Wahrsagerei ohne wissenschaftliche Grundlage. Die Muster im Kaffeesatz entstehen zufällig durch Strömung, Tassenform und Menge des Rückstands, nicht durch eine Botschaft. Seriöse ethnologische und kulturhistorische Einordnungen führen den Brauch entsprechend unter Volksglauben und Unterhaltungskultur.
Kaffeesatzlesen heute
Traditionell wird Kaffeesatzlesen häufig im Anschluss an türkischen beziehungsweise orientalischen Mokka praktiziert, weil dieser unfiltriert zubereitet wird und entsprechend viel Satz in der Tasse zurücklsst. In der Türkei bieten Cafés das Deuten stellenweise sogar als bezahlten Service an. In Deutschland bleibt der Brauch eher eine unterhaltsame Randnotiz zu geselligen Kaffeerunden.