Ausstattung

Karlsbader Kanne

Die Karlsbader Kanne ist ein Kaffeebereiter aus Porzellan mit einem mehrlagigen, gesinterten Keramik-Dauerfilter, der 1878 patentiert wurde und einen milden, klaren Kaffee zwischen French Press und Handfilter liefert.

Auch bekannt als: Bayreuther Kanne, Bayreuther Kaffeemaschine, Seihkanne

Was ist die Karlsbader Kanne?

Die Karlsbader Kanne gehört zu den ältesten industriell gefertigten Kaffeebereitern und ist heute fast in Vergessenheit geraten. Sie liefert einen Kaffee, der zwischen French Press und Papierfilter liegt: mehr Körper und Aromaoöle als Filterkaffee, aber klarer und weniger trüb als aus der Pressstempelkanne. Der Name verweist auf die böhmische Kurstadt Karlsbad, das heutige Karlovy Vary in Tschechien — belegt ist allerdings nur die Namensanlehnung an die Region. Vorbild war die rund 80 Jahre ältere französische Seihkanne ("cafetière du Belloy").

Geschichte: von Böhmen in die Wiener Kaffeehäuser

Die eigentliche Geschichte beginnt 1878. Am 5. April jenes Jahres meldete die K. K. Priv. Graf Oswald von Thun'sche Porcellanfabrik im böhmischen Klösterle an der Eger den charakteristischen, doppelt gekreuzten Schlitzfilter aus durchglasiertem Porzellan zum Patent an. Vor dem Ersten Weltkrieg gehörte "Kaffee nach Karlsbader Art" zum festen Repertoire der Wiener Kaffeehäuser, auch in den USA fand die Methode Anhänger. Die bekannteste Herstellerin war Walküre in Bayreuth: Die Fabrik produzierte ab 1910 eigene Karlsbader Kaffeemaschinen, brachte 1913 die birnenförmige "Form 599" heraus und legte 2007 mit der "Form 699" eine moderne Neuauflage vor, seither trägt die Kanne auch den Namen Bayreuther Kanne. Walküre produzierte bis zur Insolvenz 2019.

Wie die Karlsbader Kanne wirklich funktioniert

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, die Karlsbader Kanne arbeite komplett ohne Filter und der Kaffeesatz setze sich einfach am Boden ab. Tatsächlich sitzt im oberen Teil ein mehrlagiger, gesinterter Filtereinsatz aus Porzellan: ein Dauerfilter aus Keramik, der das Kaffeepulver mechanisch zurückhält. Die Zubereitung läuft so ab:

  • Kanne mit heißem Wasser vorwärmen
  • Grob gemahlenen Kaffee in den Filtereinsatz geben: 16 bis 22 Gramm für die kleine 380-ml-Kanne, 44 bis 53 Gramm für die große 850-ml-Version
  • Das Pulver mit wenig Wasser anfeuchten und rund 30 Sekunden quellen lassen
  • Restliches Wasser, etwa 94 bis 96 Grad heiß, langsam über den Wasserverteiler nachgießen
  • Insgesamt 3 bis 7 Minuten ziehen lassen, je nach Kannengröße und gewünschter Stärke
  • Filtereinsatz und Wasserverteiler abnehmen, Deckel auf die Ausgießkanne setzen

Feinen Kaffeestaub sollte man vorher aussieben, sonst rutscht er durch den Porzellanfilter in die Tasse.

Karlsbader Kanne, French Press oder Handfilter?

Der Papierfilter hält Öle zurück und liefert einen klaren, eher analytischen Kaffee, erfunden erst 1908 von Melitta Bentz in Dresden, drei Jahrzehnte nach der Karlsbader Kanne. Die French Press mit ihrem groben Metallsieb lässt mehr Körper und Öle durch, dafür auch mehr Trübung, und arbeitet zudem nach dem Immersionsprinzip, während bei der Karlsbader Kanne das Wasser von oben durchläuft. Geschmacklich liegt die Karlsbader Kanne dazwischen: mild, aromatisch und wenig säurebetont.

Original oder Nachbau kaufen

Wer heute eine Karlsbader Kanne sucht, findet vor allem zwei Wege: gebrauchte oder neu aufgelegte Originale von Walküre, oder günstigere Nachbauten anderer Porzellanhersteller. Wer die Kanne regelmäßig nutzen will, sollte auf einen intakten, feinporigen Filtereinsatz achten. Zur Abgrenzung: Wer online nach "Karlsbader Kanne" sucht, stößt gelegentlich auch auf emaillierte Camping-Perkolatoren. Das sind jedoch keine Karlsbader Kannen im eigentlichen Sinn, sondern Perkolatoren aus Stahl mit anderem Zubereitungsprinzip.