Bohne & Anbau
Rainforest Alliance
Rainforest Alliance ist eine internationale Nichtregierungsorganisation und Zertifizierung, deren grünes Frosch-Siegel Kaffee aus Anbau kennzeichnet, der ökologische Mindeststandards wie Waldschutz und Biodiversität sowie soziale Grundanforderungen erfüllt.
Auch bekannt als: Rainforest Alliance Certified, Frosch-Siegel, RA-Zertifizierung
Was bedeutet Rainforest Alliance?
Rainforest Alliance ist eine 1987 gegründete Nichtregierungsorganisation, die sich für nachhaltigere Landwirtschaft und den Schutz von Wäldern einsetzt. Bekannt ist sie vor allem durch ihr grünes Siegel mit dem stilisierten Frosch, das auf Kaffeepackungen, Tee und Kakao zu finden ist. Das Siegel bestätigt, dass ein Betrieb den Rainforest-Alliance-Standard für nachhaltige Landwirtschaft erfüllt. Dieser deckt drei Bereiche ab: ökologische Kriterien, soziale Mindeststandards und wirtschaftliche Aspekte der Betriebsführung.
Die Fusion mit UTZ 2018
2018 schloss sich Rainforest Alliance mit UTZ Certified zusammen, einem zweiten großen Zertifizierungsprogramm für Kaffee, Kakao und Tee. Aus der Fusion ging ein gemeinsamer Standard hervor, der 2020 vollständig überarbeitet wurde und seitdem für alle neu zertifizierten Betriebe gilt. Auf Verpackungen taucht deshalb teils noch das alte UTZ-Logo auf, inhaltlich steht dahinter aber bereits das neue, gemeinsame Rainforest-Alliance-Regelwerk. Für Kaffeebauern bedeutete die Fusion vor allem: ein Audit statt zwei.
Welche Kriterien prüft das Siegel?
Der Standard ist breiter gefasst als reine Fairtrade-Kriterien und deckt landwirtschaftliche Praxis, Umwelt und soziale Mindeststandards gemeinsam ab:
- Verbot von Rodung in Primär- und Schutzwäldern für neue Anbauflächen
- Schutz von Gewässern und Reduktion des Pestizideinsatzes
- Förderung von Biodiversität, etwa durch Schattenbäume im Kaffeeanbau
- Verbot von Kinderarbeit und Zwangsarbeit
- Mindestanforderungen an Löhne, Arbeitssicherheit und Wohnverhältnisse
Rainforest Alliance vs. Fairtrade
Beide Siegel wollen nachhaltigeren Kaffeeanbau fördern, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Fairtrade arbeitet mit einem festen Mindestpreis und einer zusätzlichen Sozialprämie, die unabhängig vom Weltmarktpreis gezahlt wird. Rainforest Alliance verzichtet auf ein solches Preismodell; Betriebe verhandeln ihre Preise weiterhin selbst am Markt. Dafür geht der Rainforest-Alliance-Standard bei ökologischen Vorgaben wie Entwaldungsverbot, Gewässerschutz und Biodiversität stärker ins Detail.
Kritikpunkte am Siegel
Wie andere freiwillige Zertifizierungen steht auch Rainforest Alliance in der Diskussion. NGOs und Medienberichte haben wiederholt hinterfragt, wie streng Audits in der Praxis durchgeführt werden. Kritisiert wird zudem, dass ein Zertifikat allein noch keine dauerhafte Verbesserung der Einkommenssituation garantiert, solange kein Mindestpreis vereinbart ist. Für Verbraucher bleibt das Siegel damit ein Anhaltspunkt, aber kein Beleg für lückenlose Kontrolle entlang der gesamten Lieferkette.