Bohne & Anbau
Trigonellin
Pflanzliches Alkaloid im Rohkaffee (rund 1 Prozent der Trockenmasse), das beim Rösten weitgehend zerfällt und dabei Aromastoffe sowie Niacin (Vitamin B3) bildet. Es trägt zur Bitterkeit bei.
Auch bekannt als: Trigonellin, N-Methylnicotinsäure, Trigonelline
Was ist Trigonellin im Kaffee?
Nach dem Koffein ist Trigonellin das mengenmäßig zweitwichtigste Alkaloid im Rohkaffee. Im grünen, ungerösteten Bohnenmaterial macht es etwa 1 bis 3 Prozent der Trockenmasse aus. Arabica enthält meist mehr Trigonellin als Robusta, während Robusta beim Koffein vorne liegt. Chemisch ist es ein Derivat der Nikotinsäure (N-Methylnicotinsäure), das die Pflanze in der Bohne einlagert.
Warum Trigonellin beim Rösten so wichtig ist
Trigonellin ist hitzeempfindlich. Beim Rösten beginnt der Abbau spürbar oberhalb von etwa 160 bis 200 °C und beschleunigt sich mit steigender Temperatur. Insgesamt werden rund 50 bis 80 Prozent zersetzt; bei sehr dunklen Röstungen um 240 °C bleibt teils nur ein einstelliger Prozentwert übrig.
Beim Zerfall entstehen zwei wichtige Produktgruppen:
- Aromastoffe: Pyridine, Pyrrole und verwandte Verbindungen, die zum typischen Röstaroma beitragen.
- Niacin (Vitamin B3): Durch Demethylierung bildet sich Nikotinsäure. In Regionen mit hohem Kaffeekonsum ist gerösteter Kaffee deshalb eine relevante Niacin-Quelle.
Ein zweiter Hauptweg ist die Decarboxylierung zu N-Methylpyridinium (NMP). NMP reichert sich mit zunehmendem Röstgrad an und kommt in mittel- bis dunkelgerösteten Kaffees deutlich häufiger vor als in hellen Röstungen.
Trigonellin und Bitterkeit
Trigonellin schmeckt selbst bitter und zählt zu den Stoffen, die zur Grundbitterkeit eines Kaffees beitragen, neben Koffein und den beim Rösten entstehenden Röstprodukten. Weil es beim Rösten abgebaut wird, sinkt sein direkter Bitterbeitrag mit zunehmendem Röstgrad, während die Bitterkeit aus den Röstprodukten steigt.
Worauf in der Praxis achten
- Röstgrad lesen: Das Verhältnis von Trigonellin zu Nikotinsäure dient in der Analytik als Maß für den Röstgrad. Helle Röstungen behalten mehr Trigonellin, dunkle mehr NMP und Nikotinsäure.
- Erwartungen ans Aroma: Wer die für das Röstaroma mitverantwortlichen Pyridine möchte, braucht ausreichend Hitze. Rohe oder zu schwach geröstete Bohnen liefern dieses Profil nicht.
- Maß halten bei Erwartungen: Trigonellin ist ein Baustein unter vielen. Säuren, Zucker und Aminosäuren prägen das Endaroma mindestens ebenso stark.