Bohne & Anbau
Villa Sarchi
Villa Sarchi ist eine natürliche Zwergmutation der Bourbon-Kaffeepflanze, die in den 1950er- oder 1960er-Jahren in der Region Sarchí in Costa Rica entdeckt wurde und für windresistenten Anbau in großer Höhe sowie eine klare, fruchtig-süße Tasse bekannt ist.
Auch bekannt als: La Luisa, Villalobos Bourbon
Was ist Villa Sarchi?
Villa Sarchi ist eine Arabica-Varietät, die durch eine spontane Genmutation aus der Bourbon-Pflanze entstanden ist. Wie bei Caturra und Pacas führt ein einzelnes Gen zu deutlich kürzerem Wuchs, ohne dass die Pflanze an genetischer Nähe zu Bourbon verliert. Andere Namen für die Varietät sind La Luisa und Villalobos Bourbon, beides Hinweise auf die lokale Herkunft in Costa Rica. Anders als viele andere Bourbon-Mutationen hat sich Villa Sarchi außerhalb ihres Ursprungslands kaum verbreitet.
Herkunft und Entdeckung
Entdeckt wurde Villa Sarchi in den 1950er- oder 1960er-Jahren im Nordwesten der costa-ricanischen Provinz Alajuela, in der Gegend um die Stadt Sarchí. Von dort stammt auch der Name. Über mehrere Generationen wurde die Pflanze durch gezielte Selektion einzelner Exemplare stabilisiert, ein Vorgehen, das in der Kaffeezucht als Pedigree-Selektion bezeichnet wird. Anders als Caturra, die in Brasilien auftauchte, oder Pacas aus El Salvador, blieb Villa Sarchi also eine costa-ricanische Entwicklung.
Wuchsform und Anbaueigenschaften
Der kompakte Wuchs ist das prägende Merkmal der Varietät. Charakteristisch sind:
- ein dichter, buschiger Habitus mit Ästen, die in einem Winkel von etwa 45 Grad nach oben wachsen
- bronzefarbene Jungblätter zwischen dem grünen Bestand
- gute Eignung für Höhenlagen zwischen etwa 1.300 und 1.600 Metern
- eine für eine Bourbon-Mutation ungewöhnliche Toleranz gegenüber starkem Wind
Krankheitsanfälligkeit
Die Widerstandsfähigkeit gegen Wind steht einer geringen Resistenz gegenüber Blattkrankheiten gegenüber. Villa Sarchi gilt als anfällig für Kaffeerost (Roya), für die Kaffeekirschenkrankheit (Coffee Berry Disease) sowie für Nematoden im Wurzelbereich. Diese Anfälligkeit war letztlich auch der Ausgangspunkt für die Kreuzungsarbeit, aus der später robustere Nachkommen hervorgingen.
Geschmacksprofil
In der Tasse zeigt Villa Sarchi bei sorgfältigem Anbau in der Höhe eine klare, helle Säure mit ausgeprägter Süße. Typisch sind Noten von Zitrusfrüchten und roten Früchten, ergänzt durch dezente florale Untertoöne. Kenner beschreiben das Profil oft als präzise und aufgeräumt, ohne die schwere Textur mancher anderer Varietäten.
Bedeutung für die Kaffeezucht
Villa Sarchi ist einer der beiden Namensgeber der Sarchimor-Gruppe. Für die Kreuzung wurde die kompakte Villa-Sarchi-Pflanze mit einer rostresistenten Timor-Hybride verbunden (HDT CIFC 832/2). Aus dieser Verbindung entstand Hybrid 361, der Ausgangspunkt für die gesamte Sarchimor-Familie, zu der heute Varietäten wie Parainema oder Marsellesa zählen. Außerhalb von Costa Rica wurde die reine Villa-Sarchi-Varietät 1974 durch das Institut IHCAFE auch in Honduras eingeführt.