Zubereitung

Wiener Kaffeehauskultur

Die Wiener Kaffeehauskultur bezeichnet die traditionelle Institution des Wiener Kaffeehauses als gesellschaftlichen Treffpunkt mit eigenem Ritual, die 2011 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe Österreichs anerkannt wurde.

Auch bekannt als: Wiener Kaffeehaus, Kaffeehauskultur, Wiener Café-Kultur

Was ist die Wiener Kaffeehauskultur?

Die Wiener Kaffeehauskultur meint nicht ein einzelnes Getränk, sondern eine ganze Institution: das Kaffeehaus als Ort zum Sitzen, Lesen, Diskutieren und Zeitverbringen. Wiener nennen ihr Stammcafé gern das "verlängerte Wohnzimmer" — man geht dort nicht nur hin, um Kaffee zu trinken, sondern um zu sein. Charakteristisch ist die Erlaubnis, mit einer einzigen Tasse stundenlang an einem Tisch zu sitzen, ohne dass ein Kellner zum Nachbestellen drängt.

UNESCO-Anerkennung 2011

Am 11. November 2011 wurde die Wiener Kaffeehauskultur als "typische soziale Praxis" in das österreichische Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. Damit würdigt die UNESCO nicht ein Rezept oder eine Zubereitungsart, sondern das soziale Ritual rund um das Kaffeehaus: das lange Sitzenbleiben, die Zeitungslektüre, die Gespräche.

Die Legende von der Türkenbelagerung

Eine bis heute verbreitete Geschichte erzählt, die Wiener seien 1683 nach der Zweiten Türkenbelagerung auf zurückgelassene Säcke mit unbekannten Bohnen gestoßen. Der Legende nach soll der Offizier Georg Franz Kolschitzky diese Bohnen erhalten und daraufhin das erste Kaffeehaus "Zur blauen Flasche" eröffnet haben. Der Historiker Karl Teply hat diese Erzählung als Legende widerlegt — sie gehört zum Gründungsmythos, nicht zu belegten Fakten. Historisch gesichert ist stattdessen, dass der Armenier Johannes Diodato 1685 das erste offizielle Privileg zum Kaffeeausschank in Wien erhielt.

Das Kaffeehaus als Treffpunkt der Literaten

Um die Jahrhundertwende und bis zum Ersten Weltkrieg wurde das Kaffeehaus zum Zentrum des geistigen Lebens Wiens. Café Central, Café Griensteidl und Café Herrenhof waren Stammlokale von Schriftstellern wie Karl Kraus, Peter Altenberg und Alfred Polgar. Peter Altenberg ließ sich seine Post sogar direkt ins Café Central liefern. Auch das Café Sperl zählt zu den traditionsreichen Häusern dieser Zeit.

Das typische Kaffeehaus-Ritual

  • Jede Tasse Kaffee wird mit einem Glas Leitungswasser serviert, kostenlos und ohne Nachfrage
  • Zeitungen liegen aus, oft an eigenen Zeitungsstöcken befestigt
  • Gäste dürfen beliebig lange am Tisch sitzen bleiben, ohne Konsumzwang
  • Die Einrichtung besteht typischerweise aus Marmortischen und Thonet-Stühlen

Kaffeehauskultur heute

Aus der Wiener Kaffeehauskultur sind eigene Getränke und Bräuche hervorgegangen, die jeweils für sich stehen: die Wiener Melange, der Einspänner, der Fiaker, der Pharisäer oder der Kaffee Verkehrt gehören ebenso zum Kaffeehausalltag wie das gesellige Kaffeeklatsch oder das Kaffeesatzlesen als Zeitvertreib am Tisch. Viele der traditionsreichen Häuser existieren weiterhin, mittlerweile auch als Touristenziel.