Geschmack & Sensorik
Chlorogensäure
Chlorogensäure ist eine Gruppe natürlicher Polyphenole im Rohkaffee, die für Säure und teilweise für Magenreizungen verantwortlich ist. Sie wird beim Rösten abgebaut und beeinflusst Geschmack und Verträglichkeit.
Auch bekannt als: Chlorogenic Acid, CGA
Was ist Chlorogensäure?
Chlorogensäure ist eine Gruppe von Polyphenolen, die natürlich im Rohkaffee vorkommt. Sie macht etwa 5 bis 10 Prozent der Trockenmasse aus und gehört zu den mengenmäßig wichtigsten Säuren im grünen Kaffee. Chemisch gesehen handelt es sich um eine Verbindung aus Phenolsäuren, die in verschiedenen Varianten auftreten. Im unverarbeiteten Zustand schmeckt Chlorogensäure herb, leicht bitter und adstringierend. Sie ist nicht mit der fruchtigen Acidity im Cupping zu verwechseln, sondern trägt zur grundlegenden Säure und zum Mundgefühl bei.
Warum ist Chlorogensäure im Kaffee wichtig?
Chlorogensäure beeinflusst sowohl den Geschmack als auch die Verträglichkeit von Kaffee. Beim Rösten wird sie durch Hitze abgebaut: Ab etwa 170 Grad beginnt dieser Prozess, der umso stärker ausfällt, je länger und heißer geröstet wird. Eine helle Röstung behält etwa 50 bis 80 Prozent der ursprünglichen Chlorogensäure, während dunkle Röstungen kaum noch messbare Mengen aufweisen. Gleichzeitig entstehen beim Abbau neue Verbindungen wie Chinolactone, die für Bitterkeit und Körper sorgen. Für die meisten Menschen ist Chlorogensäure unbedenklich, doch empfindliche Personen können mit Magendruck oder Sodbrennen reagieren, da sie die Magensäureproduktion anregt.
Chlorogensäure und Magenverträglichkeit
Chlorogensäure stimuliert die Produktion von Magensäure und kann bei empfindlichen Personen zu Unverträglichkeiten führen. Dunkle Röstungen mit geringem Chlorogensäuregehalt werden daher oft als magenfreundlicher empfunden. Auch die Zubereitungsart spielt eine Rolle: Cold Brew extrahiert weniger Säuren, da die Extraktion bei niedrigeren Temperaturen erfolgt. Wer Kaffee mit empfindlichem Magen trinkt, sollte daher auf Röstgrad und Zubereitung achten. Allerdings ist nicht jede Säure im Kaffee auf Chlorogensäure zurückzuführen – die fruchtigen Noten stammen aus anderen Verbindungen.
Chlorogensäure und Geschmack
Der Gehalt an Chlorogensäure prägt den Geschmack von Kaffee maßgeblich. Helle Röstungen bewahren mehr davon und zeichnen sich durch eine lebendige, manchmal fruchtige Säure aus. Dunkle Röstungen verlieren durch den Abbau der Chlorogensäure an Säure, gewinnen aber an Bitterkeit und Körper. Die Abbauprodukte der Chlorogensäure tragen zudem zu komplexen Aromen bei. Wer bestimmte Geschmacksprofile bevorzugt, sollte daher den Röstgrad entsprechend wählen. Chlorogensäure ist somit ein zentraler Faktor für die sensorische Wahrnehmung von Kaffee.
Chlorogensäure und Gesundheit
Chlorogensäure gehört zu den Antioxidantien im Kaffee und wird mit gesundheitlichen Vorteilen in Verbindung gebracht, etwa einer möglichen blutzuckersenkenden Wirkung. Gleichzeitig kann sie bei übermäßigem Konsum oder empfindlichen Personen zu Magenreizungen führen. Die Forschung dazu ist noch nicht abschließend, aber es gilt als gesichert, dass Chlorogensäure zu den bioaktiven Verbindungen im Kaffee zählt. Wer Kaffee in Maßen genießt und auf die Verträglichkeit achtet, kann von ihren positiven Eigenschaften profitieren. Eine pauschale Empfehlung zur Vermeidung oder gezielten Aufnahme gibt es jedoch nicht.
Chlorogensäure vs. andere Säuren im Kaffee
Chlorogensäure ist nicht identisch mit der Acidity, die im Cupping beschrieben wird. Während Chlorogensäure für die grundlegende Säure und teilweise für Magenreizungen verantwortlich ist, umfasst Acidity die fruchtigen, hellen Säurenoten wie Zitrus oder Apfel. Beide tragen zur Geschmacksvielfalt bei, stammen aber aus unterschiedlichen Verbindungen. Auch andere Säuren wie Zitronensäure oder Äpfelsäure spielen eine Rolle, sind aber mengenmäßig weniger bedeutend als Chlorogensäure. Die Kombination aller Säuren ergibt das komplexe Geschmacksprofil eines Kaffees.