Kaffee Weltweit
Arabica-Preis fällt: Was eine brasilianische Rekordernte für Kaffeetrinker bedeutet
Arabica kostet am Weltmarkt aktuell 253 US-Dollar pro Pfund — rund 27 Prozent weniger als vor einem Jahr. Der Hauptgrund: Brasilien erntet so viel Kaffee wie noch nie.
2026-06-13 · 4 Min. Lesezeit

Wer in den letzten Jahren die Kaffeepreise im Supermarkt beobachtet hat, dürfte bemerkt haben, dass sie gestiegen sind. Das war kein Zufall. Der -Weltmarktpreis hatte Ende 2024 und Anfang 2025 Rekordwerte erreicht. Seither dreht sich der Wind. Am 12. Juni 2026 lag der Arabica-Preis an der New Yorker Börse bei 253,79 US-Dollar pro Pfund — ein Rückgang von 27,33 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zum Vergleich: In den Hochphasen Ende 2024 war der Preis zeitweise mehr als doppelt so hoch. Was hat den Preisrückgang ausgelöst? In erster Linie Brasilien. Das USDA schätzt die brasilianische für das Anbaujahr 2026/27 auf 71,9 Millionen 60-Kilogramm-Säcke — ein Plus von rund 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Brasilien ist mit Abstand der größte Kaffeeproduzent der Welt und liefert etwa ein Drittel der globalen Kaffeemenge. Wenn dort die Ernte um 14 Prozent zulegt, spürt das der gesamte Markt. Ein Hinweis zur Einordnung: Die 71,9-Millionen-Säcke-Schätzung stammt vom USDA. Brasiliens eigene Behörden, CONAB und IBGE, schätzen die Ernte etwas niedriger — auf 65 bis 67 Millionen Säcke. Trotzdem ist die Botschaft klar: Es ist eine Rekordernte, und der Markt preist das ein. Was bedeutet das für Verbraucher in Deutschland? Direkt — noch wenig. Die Kaffeeindustrie arbeitet mit langen Vorlaufzeiten. wird oft Monate im Voraus eingekauft, Röstereien haben laufende Verträge, der Weg von der Börse ins Regal dauert. Wer heute eine Packung kauft, zahlt meist noch Preise, die auf den Einkäufen von vor sechs bis zwölf Monaten basieren. Mittelfristig aber ist ein Rückgang der Verbraucherpreise plausibel. Einige Röstereien haben in den Hochpreisphasen die Preise erhöht — oder die Packungsgrößen reduziert, was auf dasselbe hinausläuft. Wenn die günstigen Einkaufspreise ankommen, werden manche Anbieter die Preise senken. Andere werden die Margen erhöhen und still davon profitieren. Für -zertifizierte Bauern ist der Preisrückgang weniger dramatisch. Sie erhalten einen Mindestpreis, der unabhängig vom Weltmarktpreis garantiert ist. Wenn der Marktpreis stark fällt, ist der Fairtrade-Mindestpreis ein echter Schutz. Für nicht-zertifizierte Kleinbauern, die direkt zum Marktpreis verkaufen müssen, sieht es schlechter aus. Was kommt als nächstes? Das weiß niemand mit Sicherheit. Kaffeepreise sind volatil. Wetterextreme — Dürren oder Frost in Brasilien, Überschwemmungen in Vietnam — können Ernteprognosen innerhalb weniger Wochen kippen. Der aktuelle Preisrückgang ist real, aber keine Garantie für günstigeren Kaffee im Supermarkt. Wer beim nächsten Einkauf genauer hinschaut, wird sehen, ob und wie schnell die Preise der Industrie am Regal ankommen.
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