Kaffee News
Kalter Kaffee war mal das Gegenteil von cool. Jetzt ist er der Hype des Sommers.
Kaffeekonzentrat-Fläschchen erobern TikTok: ein Teelöffel, Milch, fertig ist der Iced Latte. Günstiger als das Café – aber bei den aromatisierten Sorten lauert oft viel Zucker.
2026-06-29 · 4 Min. Lesezeit
KI-generiertes Bild„Kalter Kaffee“ – im Deutschen klingt das nach abgestanden, langweilig, von gestern. Lustig eigentlich. Denn kaum etwas ist 2026 so angesagt wie genau das.
Nach Dalgona Coffee, Proteinkaffee und dem Cold-Brew-Boom drängt sich jetzt ein neuer Trend in die TikTok-Feeds: Kaffeekonzentrat.
Das Prinzip ist simpel. Eine kleine Flasche, hochkonzentrierter Kaffee drin. Rund ein Esslöffel in Milch oder Pflanzendrink. Fertig ist der Iced Latte. Kein Kochen. Kein Abkühlen. Keine Maschine.
Genau das macht den Reiz aus. Und genau das bringt auch die Kritik.
Wie das funktioniert
Anbieter wie TryMoin verkaufen 100-Milliliter-Fläschchen, je nach Sorte und Händler für etwa acht bis zwölf Euro. Klingt erstmal teuer. Rechnet sich aber: Bei einer Portion von rund sieben Millilitern reicht eine Flasche für gut ein Dutzend Tassen. Das liegt unter einem Euro pro Tasse und damit klar unter dem, was ein Iced Latte im Café kostet.
Den Koffeingehalt gibt der Hersteller mit rund 70 Milligramm pro Portion an. Das liegt in der Größenordnung eines Espresso.
Neu ist das Konzept nicht. In den USA, Japan und Südkorea ist Kaffeekonzentrat längst etabliert. Neu ist nur: Der deutschsprachige Raum zieht jetzt nach. Auf TikTok wird ausgiebig getestet, verglichen, bewertet. Neben Markenprodukten sind die Konzentrate inzwischen auch bei Drogerieketten und im Lebensmitteleinzelhandel gelistet.
Der Haken: Zucker
Schau genauer hin, findest du schnell den wunden Punkt.
Beim ungesüßten Konzentrat sind es nach Herstellerangabe 0,08 Gramm Zucker pro Portion. Praktisch nichts. Bei den aromatisierten Varianten – Caramel Macchiato, French Vanilla Latte, Haselnuss Latte – liegt der Zuckergehalt deutlich höher; die Hersteller weisen sie ausdrücklich als gesüßt aus.
Wer den puren Kaffeegeschmack will, fährt gut. Wer auf die süßen Aromen steht, trinkt im Zweifel mehr Sirup als Kaffee.
Kein neues Problem. Dasselbe Muster wie bei Eiskaffee-Fertigprodukten seit Jahren. Nur jetzt im handlichen Fläschchen mit Trend-Etikett.
Warum der Hype nicht nur Spielerei ist
Im Kern ist Kaffeekonzentrat nichts anderes als stark reduzierter, sehr konzentrierter Kaffee. Meist über Kaltextraktion gewonnen, ähnlich wie Cold Brew, nur deutlich stärker eingedickt.
Machst du ohnehin schon Cold Brew zu Hause? Dann kannst du dir das Fläschchen sparen. Einfach im stärkeren Verhältnis ansetzen, fertig ist dein eigenes Konzentrat.
Was den kommerziellen Produkten den Vorteil verschafft: Bequemlichkeit. Keine Wartezeit, keine Filterung, keine Übernacht-Lagerung im Kühlschrank. Für alle, die schnell unterwegs sind, ein echter Pluspunkt – einer, der den Hype erklärt, ohne ihn zu rechtfertigen.
Willst du's ausprobieren: Achte auf die Zuckerangabe pro Portion, nicht nur auf den Preis der Flasche. Und wenn du öfter Iced Coffee trinkst – rechne kurz durch, ob sich ein eigenes Cold-Brew-Setup nicht ohnehin mehr lohnt.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei die erste Person, die etwas schreibt!
Weitere News
KI-generiertes BildKaffee 2026: Nachhaltigkeit wird zur Pflicht – gelöst ist damit wenig
Faire Lieferketten sind keine Kür mehr, Robusta bekommt eigenes Gewicht, und zu Hause wird Espresso zur Wissenschaft. Ein Blick auf Nachhaltigkeit, Technik und den Aufstieg der Home-Baristas.
KI-generiertes BildKaffee-Trends 2026: Warum in meiner Tasse gerade eine Banane schwimmt
Bananen-Latte, Aktivkohle im Milchschaum und Pilzextrakte im Filter: 2026 wird Kaffee zum Experimentierfeld. Ein Überblick über die Trends, die gerade wirklich funktionieren.
KI-generiertes BildDie EU will Regenwaldschutz über den Kaffeehandel durchsetzen. Für äthiopische Kleinbauern ist das ein Risiko.
Ab Ende 2026 dürfen nur noch entwaldungsfrei nachgewiesene Kaffeebohnen in die EU. Was für Importeure Compliance ist, kann für äthiopische Kleinbauern den Verlust ihres Marktzugangs bedeuten.
Passende Artikel
KI-generiertes BildEntkoffeinierter Kaffee: Swiss Water, CO₂-Prozess und chemische Extraktion im Vergleich
Decaf ist nicht gleich Decaf — die Methode bestimmt, wie viel Aroma überlebt. Ein sachlicher Vergleich der drei wichtigsten Verfahren.
KI-generiertes BildKaffee und Gesundheit: Was die Forschung zu Blutdruck, Säure und Koffein wirklich sagt
Koffein, Magensäure, Herzrhythmus, Schwangerschaft — eine faktenbasierte Übersicht ohne Panikmache und ohne Verharmlosung.