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Cold Brew selber machen: Der vollständige Guide

Cold Brew selber machen ist einfacher als gedacht. Alles über Verhältnis, Ziehzeit, Mahlgrad und was an den Werbeversprechen wirklich stimmt. fokusKeyword: Cold Brew selber machen

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13. Juni 2026 · 5 Min. Lesezeit

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Cold Brew selber machen: Der vollständige Guide

selber machen braucht keine Ausrüstung für hundert Euro und kein -Diplom. Ein Behälter, grob gemahlener Kaffee, kaltes Wasser, eine Nacht Geduld — das reicht. Was du dabei wissen solltest, und was bei den üblichen Werbeversprechen nicht stimmt, steht hier.

Was Cold Brew von Eiskaffee unterscheidet

Der Unterschied ist die Temperatur bei der , nicht beim Trinken. Klassischer oder Iced Coffee entsteht durch heißes Brühen, anschließendes Abkühlen und Aufgießen über Eis. Cold Brew dagegen zieht von Anfang an in kaltem Wasser oder bei Zimmertemperatur — lange, langsam, ohne Hitze.

Kaltes Wasser löst anders und langsamer heraus als heißes. Was dabei entsteht, schmeckt in vielen Fällen tatsächlich anders: weniger scharf, manchmal schokoladiger oder blumiger. Aber dazu später mehr.

Die Grundrezeptur zum Selbermachen

100 Gramm grob gemahlener Kaffee auf einen Liter kaltes Wasser. Beides in einen Behälter, gut umrühren, abdecken, in den Kühlschrank. Dort zieht er 12 bis 18 Stunden. Dann filtern — zuerst durch ein grobes Sieb, danach durch einen , wenn du es klarer magst.

Pur schmeckt das Ergebnis je nach Bohne recht kräftig. Mit etwas Wasser, Milch oder Eiswürfeln verdünnen ist völlig normal.

Das ist keine Labornorm, sondern eine praxistaugliche Ausgangsbasis. Studien arbeiten teils mit anderen Verhältnissen und längeren Zeiten — für den Hausgebrauch ist diese Rezeptur aber zuverlässig und anpassbar.

Die wichtigsten Stellschrauben

Zu oder rau: Entweder kürzer ziehen lassen, gröber mahlen oder stärker verdünnen. Oft hilft schon eine Stunde weniger Ziehzeit. Zu dünn: Etwas feiner mahlen oder mehr Kaffee verwenden. Den zuerst probieren, bevor du einfach mehr Kaffeepulver reinschüttest. Trüb und sandig: Erst grob abfiltern, dann noch einmal durch einen Papierfilter. Klingt aufwendig, geht aber schnell. Die Bohne entscheidet mehr, als viele denken. Helle Röstungen bringen florale und fruchtige Noten. Dunkle Röstungen ergeben eher Röst- und Kakaotöne. Cold Brew verstärkt kein schlechtes Ausgangsmaterial — er verändert nur, wie Aromen extrahiert werden. Aufbewahrung: Frisch im Kühlschrank, schnell verbrauchen. Kleine Mengen ansetzen und innerhalb einiger Tage trinken ist das Sicherste.

Schmeckt Cold Brew wirklich milder?

Eine kontrollierte Studie des UC Davis Coffee Center von 2022 hat heiß und kalt extrahierten Kaffee aus drei Herkünften und drei Röstgraden sensorisch verglichen, bei gleicher Getränkestärke und gleicher Serviertemperatur. Das trainierte Panel bewertete die kalt extrahierten Proben im Durchschnitt als weniger bitter, weniger sauer und floraler als die heißen. Gleichzeitig gilt: und Herkunft hatten einen ebenso großen Einfluss wie die Brühmethode. „Cold Brew schmeckt immer mild" ist damit falsch. Eine dunkel geröstete Bohne bleibt intensiv, egal wie lang sie in kaltem Wasser zieht.

Was „säurearm" wirklich bedeutet — und was nicht

Hier wird in der Werbung oft durcheinandergeworfen. Drei verschiedene Dinge: pH-Wert misst die Konzentration freier Wasserstoffionen im Moment. Titrierbare Säure erfasst alle neutralisierbaren Säuren im Getränk insgesamt. Sensorische Säure ist, wie sauer es schmeckt. Diese drei Größen hängen zusammen, sind aber nicht dasselbe.

Eine Studie von Rao und Fuller aus 2018 hat heißen und kalten Kaffee aus sechs Herkünften verglichen. pH-Werte lagen nah beieinander: zwischen etwa 4,85 und 5,13. Cold Brew zeigte aber eine geringere titrierbare Säure. Die UC-Davis-Studie von 2022 bestätigte geringere wahrgenommene Säure beim Kaltextrakt, fand bei der titrierbaren Säure aber keine einheitlich signifikanten Unterschiede nach — der Röstgrad spielte auch hier eine große Rolle.

Was daraus folgt: „Cold Brew kann weniger sauer schmecken“ — das stimmt und ist belegt. „Cold Brew ist 70 Prozent weniger sauer“ oder „magenfreundlich“ — das sind Marketingaussagen ohne ausreichende klinische Grundlage. Ob Reflux oder Magenprobleme mit Cold Brew besser oder schlechter werden, lässt sich aus diesen Studien nicht ableiten.

Cold Brew als Basis: Was in Cafés gerade passiert

Cold Brew ist längst kein reines Spezialitäten-Café-Thema mehr. 2026 läuft er in vielen Betrieben als Getränkebasis, nicht als Getränk. Cold Foam, Nitro-Varianten, Milchalternativen und Sirupe machen daraus individualisierbare Produkte mit Textur und Optik. Ende Mai 2026 hat Taco Bell in seinen US-amerikanischen Cafés eine dauerhafte Cold-Brew-Linie eingeführt — das ist ein klares Signal aus der Systemgastronomie, auch wenn es nichts über den deutschen Markt aussagt.

Für zu Hause ändert das nichts am Grundrezept. Aber wer Cold Brew selber macht und mit Oatmilk, einem Schuss Vanillesirup oder aufgeschäumter Hafermilch kombiniert, liegt genau im Trend — ohne dafür Café-Preise zu zahlen.

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